Entwicklung ja – aber bitte ehrlich
- Redaktion Gartenzeitung

- vor 2 Tagen
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Die jüngste Mitteilung des Verbandes über Gespräche mit der Oberbürgermeisterin und den Stadtratsfraktionen liest sich wie ein Signal des Aufbruchs. Ein neues Kleingarten-Entwicklungskonzept soll entstehen, Optimismus wird betont, Einigkeit beschworen. Das klingt gut – doch bei näherem Hinsehen bleiben Fragen.
Denn laut öffentlicher Stellungnahme der Stadtverwaltung wurde der Verband nicht mit der Erstellung des Konzeptes beauftragt. Fördermittel konnten nicht eingeworben werden. Die Stadt wird selbst ein Planungsbüro ausschreiben und das Verfahren steuern. Damit liegt die tatsächliche Verantwortung für die Konzepterarbeitung nicht beim Verband, sondern bei der Kommune.
Das ist kein Nebenaspekt, sondern entscheidend.
Wenn öffentlich der Eindruck entsteht, der Verband gestalte federführend die Zukunft des Kleingartenwesens, während die operative und rechtliche Steuerung bei der Stadt liegt, entsteht ein Spannungsfeld zwischen Darstellung und Realität. Und genau hier beginnt die eigentliche Diskussion.
Ein Entwicklungskonzept ist sinnvoll. Aber es ersetzt keine funktionierende Struktur. Seit Jahren erleben viele Vereine, dass Unterstützung häufig erst dann greift, wenn Probleme eskalieren. Präventive Beratung, systematische Fortbildung, strategische Begleitung und transparente Kommunikation sind ausbaufähig. Diese strukturellen Fragen werden durch ein extern vergebenes Planungsdokument nicht automatisch gelöst.
Die Herausforderung in Magdeburg ist keine kleine. Wir sprechen von rund 150 Vereinen mit über 13.000 Parzellen. Das ist keine überschaubare Regionalstruktur, sondern ein bedeutender Bestandteil der Stadtgesellschaft. Wer hier Verantwortung trägt, muss mehr liefern als politische Gesprächsrunden und optimistische Formulierungen.
Es geht nicht darum, einen Verband abzuschaffen. Es geht darum, seine Rolle ehrlich zu definieren und seine Leistungsfähigkeit messbar zu verbessern. Wenn Gespräche geführt werden, dann sollten sie sich nicht nur nach außen richten, sondern auch nach innen wirken. Die Vereine brauchen konkrete Unterstützung im Alltag – nicht nur ein strategisches Papier mit Meilensteinen.
Die Zukunft des Kleingartenwesens entscheidet sich nicht an Ankündigungen, sondern an Substanz. Entwicklung bedeutet Veränderung. Aber Veränderung braucht Klarheit, Transparenz und echte strukturelle Reform – nicht nur Kommunikation.

