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Strukturreform statt Stillstand: Unsere Forderungen

  • Autorenbild: Redaktion Gartenzeitung
    Redaktion Gartenzeitung
  • 19. Jan.
  • 4 Min. Lesezeit

Ausgangspunkt unserer bisherigen Beiträge war und ist der Leerstand in den Kleingartenanlagen – seine Ursachen, seine Folgen und der Umgang damit. Leerstand ist kein abstraktes Problem und auch kein rein finanzielles Thema. Er wirkt sich unmittelbar auf den Pflegezustand der Anlagen, auf das Miteinander der Pächter, auf die Funktionsfähigkeit der Vereine und auf die langfristige Entwicklung ganzer Kleingartenanlagen aus.

Gerade deshalb reicht es aus unserer Sicht nicht aus, Leerstand lediglich festzustellen oder ihn allein als Einnahmeproblem zu betrachten. Leerstand muss aufgearbeitet, eingeordnet und aktiv bearbeitet werden. Genau an diesem Punkt sehen wir derzeit ein zentrales Defizit auf Verbandsebene.

Auftrag des Verbandes und Realität vor Ort

Der Verband der Gartenfreunde Magdeburg e.V. ist als Dachorganisation der Magdeburger Kleingärtnervereine dazu berufen, strukturelle Themen des Kleingartenwesens aufzugreifen, zu bündeln und zu steuern. Dazu gehört der Umgang mit Leerstand zwingend.

Leerstand entsteht nicht isoliert in einzelnen Vereinen. Er ist Ergebnis demografischer Entwicklungen, veränderter Lebensrealitäten, Lagefaktoren, baulicher Strukturen und rechtlicher Rahmenbedingungen. Genau deshalb kann er nicht allein auf Vereinsebene gelöst werden, sondern erfordert koordinierte, verbandsweite Strategien – und zugleich Gestaltungsspielräume vor Ort.

Leerstand ist mehr als ein finanzielles Problem

Leerstand ist nicht nur eine finanzielle Frage, sondern vor allem eine pflegerische, strukturelle und konstitutionelle Aufgabe. Unbewirtschaftete Parzellen verwildern, Pflegeintervalle reißen ab, Gehölze und Wege geraten unter Druck. Pflege- und Verkehrssicherungspflichten bestehen fort – unabhängig davon, ob Einnahmen erzielt werden.

Damit entstehen zusätzliche Aufgaben für die Vereine. Gleichzeitig beeinflusst Leerstand die Zufriedenheit der Pächter unmittelbar. Verwahrlosung, Unordnung und dauerhafte Nichtnutzung belasten das soziale Gefüge und untergraben Engagement. Langfristig beeinträchtigt Leerstand die Attraktivität und Entwicklungsfähigkeit ganzer Anlagen.

Fehlende systematische Aufarbeitung des Leerstands

Was wir bislang vermissen, ist eine strukturierte, verbandsweite Aufarbeitung des Leerstands. Dazu gehört mehr als eine zahlenmäßige Erfassung.

Notwendig wären:

  • eine Ursachenanalyse,

  • eine Bewertung der konkreten Folgen für Anlagen und Nachbarparzellen,

  • und eine klare Einschätzung, wo Leerstand steuerbar ist und wo strukturelle Eingriffe erforderlich werden.

Ohne diese Aufarbeitung bleibt Leerstand ein Verwaltungsproblem – statt als Gestaltungsaufgabe verstanden zu werden.

Strukturelle Ursachen: Verwaltung bindet Gestaltung

Aus unserer Sicht hängt dieses Defizit eng mit der strukturellen Ausrichtung des Verbandes zusammen. Die Übertragung der Verwaltung städtischer und privater Flächen auf den Verband hat zu einer massiven Verwaltungsbindung geführt. Ein erheblicher Teil der personellen Kapazitäten fließt in Abwicklung, Vertragswesen und formale Prozesse.

Diese Struktur erklärt, warum Leerstand bislang überwiegend verwaltet, aber nicht konzeptionell bearbeitet wird. Für strategische Arbeit, Austausch mit den Vereinen und die Entwicklung geeigneter Instrumente fehlt erkennbar Raum.

Kommunikation als sichtbares Symptom

Wie sich diese Struktur praktisch auswirkt, zeigt sich auch im Umgang mit unseren Anträgen. Fehlende Eingangsbestätigungen, keine Rückmeldungen zum Bearbeitungsstand und unklare Verfahren sind kein Randproblem, sondern Ausdruck mangelnder Steuerungsfähigkeit. Währenddessen wirken Leerstand und seine Folgen unverändert fort.

Führung und Verantwortung auf Verbandsebene

Strukturen erklären vieles – sie entbinden jedoch nicht von Verantwortung. Der Verband verfügt über Vorstand, Gesamtvorstand und Geschäftsstelle. Diese Ebenen existieren genau dafür, Prioritäten zu setzen und Arbeitsweisen so zu organisieren, dass zentrale Themen bearbeitet werden können.

Dass Leerstand trotz seiner Tragweite bislang nicht systematisch angegangen wird, ist daher auch eine Führungsfrage. Führung bedeutet, Gestaltungsspielräume zu eröffnen – nicht nur Bestehendes zu verwalten.

Grenzen des bisherigen Einzelpachtmodells

Ein zentraler Punkt ist dabei das derzeit faktisch priorisierte Einzelpachtmodell. Der klassische Einzelpachtvertrag wird vom Verband als Regelfall betrachtet und nahezu alternativlos gesetzt. Dieses Modell ist jedoch nicht geeignet, die aktuellen Leerstandsprobleme zu lösen.

Der Einzelpachtvertrag funktioniert dort, wo Nachfrage stabil ist. Wo Nachfrage fehlt, führt seine starre Anwendung dazu, dass Flächen leer bleiben, obwohl Nutzungsmöglichkeiten bestünden. Leerstand wird so verwaltet, aber nicht überwunden.

Mehr Verantwortung und Freiheiten für die Vereine

Aus unserer Sicht ist es zwingend erforderlich, den Vereinen mehr Verantwortung und Gestaltungsspielräume zu übertragen. Vereine kennen ihre Anlagen, ihre Mitglieder und ihre lokalen Bedingungen. Sie sind in der Lage, passende Nutzungsformen zu entwickeln – wenn man sie lässt.

Das bedeutet konkret:

  • Öffnung für alternative Nutzungsmodelle neben der klassischen Einzelpacht,

  • Möglichkeit, Nutzungen befristet, gestuft oder gemeinschaftlich zu organisieren,

  • Anerkennung, dass unterschiedliche Anlagen unterschiedliche Lösungen benötigen.

Diese Freiheiten dürfen nicht als Ausnahme, sondern müssen als legitime Steuerungsinstrumente verstanden werden.

Fehlende Pilotverfahren und Nutzungskonzepte

Derzeit fehlen:

  • klar definierte Pilotverfahren,

  • rechtssichere Erprobungsräume für neue Nutzungsmodelle,

  • konkrete, vom Verband mitgetragene Nutzungsangebote für leerstehende Parzellen.

Ohne Pilotprojekte bleibt jede Diskussion theoretisch. Andere Städte und Verbände zeigen, dass zeitlich befristete Modelle, gemeinschaftliche Nutzungen oder Nutzung auf Probe wirksame Instrumente gegen Leerstand sein können. Diese Erfahrungen werden bislang nicht systematisch aufgegriffen.

Konsequenz: Vom Befund zum Handeln

Maßnahmen, die wir vom Verband erwarten

Aus den dargestellten Zusammenhängen ergeben sich folgende notwendige Schritte:

1. Gestaltungsspielräume für Vereine

  • Anerkennung alternativer Nutzungsmodelle neben der Einzelpacht

  • Übertragung konkreter Entscheidungsspielräume an die Vereine

  • Vertrauen in die Steuerungskompetenz der Vereinsvorstände

2. Pilotverfahren und Nutzungsangebote

  • Einrichtung von Pilotprojekten zur Erprobung neuer Nutzungsformen

  • Klare rechtliche und organisatorische Rahmenbedingungen

  • Auswertung und Übertragbarkeit erfolgreicher Modelle

3. Systematische Bearbeitung des Leerstands

  • Ursachen- und Folgenanalyse

  • Differenzierte Lösungsansätze statt pauschaler Vorgaben

4. Führung und Koordination

  • Klare Priorisierung des Themas Leerstand

  • Aktive Steuerung und Begleitung statt reiner Verwaltung

  • Verlässliche Kommunikation und transparente Verfahren

Schlussbemerkung

Leerstand lässt sich nicht allein durch Verwaltung oder das Festhalten am Status quo bewältigen. Er erfordert Mut zur Gestaltung, Vertrauen in die Vereine und die Bereitschaft, neue Wege kontrolliert zu erproben.

Unsere Forderungen zielen nicht auf Beliebigkeit, sondern auf Handlungsfähigkeit. Nur wenn Vereine Verantwortung übernehmen dürfen und der Verband diesen Prozess aktiv ermöglicht und begleitet, kann Leerstand überwunden und die Zukunft der Kleingartenanlagen gesichert werden.

Der Vorstand

Lilienweg 52a
39118 Magdeburg 

Telefon +49 (391) 25190880

Vereinsregister Stendal: VR10457

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§ 26 BGB, jeweils alleinvertretungsberechtigt:

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